Weihnachten auf der Naturpark Route Thüringer Wald

Die Naturparkroute Thüringer Wald ist eine ausgeschilderte Ferienstraße die vom Startpunkt des Rennsteigs über 400 km bis nach Saalfeld führt. Dabei kreuzt die Route mehrfach die Höhenzüge des Thüringer Waldes und führt an vielen ausgewiesenen Sehenswürdigkeiten vorbei. Eine Beschreibung der Tour findet ihr auch hier: Tourenvorschläge Thüringer Wald - Naturpark Route.

Wir sind die Tour über Weihnachten 2018 gefahren - in den Höhenzügen lag Schnee, dennoch freie Straßen und über die Feiertage herrlich ruhig. Den letzten Teil der original Route haben wir jedoch abgewandelt, die Tour führt normalerweise nach Saalfeld zur Feengrotte, wir sind stattdessen zum Endpunkt des Rennsteigs nach Blankenstein gefahren, und von dort aus in das nahe gelegene Bad Steben.

Für uns war die Tour großartig, man muss um die Zeit darauf eingestellt sein das viele Gastronomiebetriebe geschlossen sind und die wenigsten Stellplätze eine Ver-/Entsorgung im Winter haben.

Ein unbedingtes muss ist der Reiseführer "Naturpark Route Thüringer Wald". Für 6 Euro! bekommt men ein Raodbook mit Karten und allen Sehenswürdigkeiten entlang der Route.

Schloss Wilhelmsthal

Unser erster Stopp war bei Schloss Wilhelmsthal. Was man auf dem Foto nicht sieht, der See vor dem Schloss war abgelassen, es wurde die Staumauer neu gebaut. So glich das weitere Umfeld auch eher einer Großbaustelle in dem die schweren Fahrzeuge das Gelände umgepflügt hatten.

Es blieb bei einem Fotostopp, die erste Gassirunde wollten wir in der Drachenschlucht drehen.

Die Drachenschlucht

Ganz in der Nähe der Wartburg liegt in den Wäldern die Drachenschlucht. Ein kleiner Bach hat sich dort tief in das Gestein eingegraben, die Klamm ist stellenweise nur 80 cm breit und Stege führen oberhalb des Bachlaufs.

Unser Ausgangspunkt war der Wanderparkplatz "Hohe Sonne",  ab dort sind Rundwanderwege ausgeschildert. Man benötigt ca. 1 Stunde durch die Klamm und das Tal, zurück sind wir über eine Anhöhe, vorbei am Saalkopf und über den Rennsteig zum Ausgangspunkt (ca. 2,5 Stunden).

Der Weg ist abwechslungsreich und schön zu gehen, der leichte Nieselregen störte uns dabei kaum.

Die Naturpark-Route Thüringer Wald führt nun an der Wartburg und Eisenach vorbei. Da wir erst vor ein paar Wochen auf der Wartburg waren, haben wir Eisenach übersprungen.

Nach Ruhla ist man wieder auf dem Höhenzug un kreuzt den Rennsteig bevor die Straße in die Täler um Bad Liebstein führt. Unser nächste Ziel war der Wasserfall in Trusetal. Wir waren etwas irritiert da wir im Vorfeld gelesen haben, das der Wasserfall im Winter abgestellt wird ... hä? Seit wann kann man einen Wasserfall abstellen. Aber tatsächlich, das ganze ist nur eine reine Touristenattraktion, im Winter ist dort eine trockene Felswand und das Wasser abgestellt.

Großer Inselberg

Nach Trusetal erreicht man bald den großen Inselberg. Das Wetter war nicht wirklich einladend und so sind wir mit dem Wohnmobil direkt bis auf den Gipfel gefahren. Hier oben war es mächtig kalt und der Wind pfeifte. Dafür gab es einen großartigen Kesselgulasch im Wirtshaus. Der große Inselberg ist auch traditionell das Ende der ersten Rennsteigetappe von Hörschel aus.

Grob geplant hatten wir den Stellplatz am Lohmühlenmuseum in Tambach-Dietharz, aber irgendwie war da alles verlassen. Laut Beschreibung hat der Platz im Winter offen, abgesehen von einem geschlossenem Restaurant und normalem Parkplatz war von einem Stellplatz nichts zu sehen. Erst später am Abend habe ich gelesen das der Stellplatz etwas unterhalb der Straße liegt, aber da die Anmeldung im Restaurant sein soll hätte uns die Erkenntnis auch nicht weiter gebracht.

Der Stellplatz im Ortszentrum von Tambach-Dietharz (öffentlicher Parkplatz mit 5 ausgewiesenen WoMo Plätzen) fanden wir auch etwas verlassen, zumal auch kein Restaurant  sich in der Gegend zeigte.

Wir sind weiter gefahren bis Schmalkalden. Dort am Stellplatz am Bahnhof für die Nacht geparkt und in Schmalkalden rechtzeitig zum Turmsingen am Weihnachtsmarkt einen Glühwein ergattert. Das war schon deutlich mehr nach unseren Vorstellungen als auf einem verlassenen Stadtparkplatz zu stehen. Wir drehten noch eine Runde durch das hübsche Schmalkalden, haben dort auch richtig gut zu Abend gegessen und die Nacht trotz Bahnnähe ruhig geschlafen.

Schneeberg

In Oberhof sind wir von der Route zum Schneeberg abgebogen. Vom Parkplatz am Schneeberg läuft man rund 30 Minuten über einen Walderlebnispfad bis zum Gipfel und Hütte. Am Schneeberg Gipfel verläuft auch wieder der Rennsteig. Es war an diesem Mittag ein dichter Nebel, die Aussicht konnte man nur erahnen. Die Hütte ist richtig gemütlich mit überaus freundlichem Personal, eine heiße Suppe war genau das Richtige an diesem Tag.

Ohrdruf

Zurück nach Oberhof und von dort weiter auf der Route in die östlichen Täler nach Ohrdruf. Im Prinzip verläuft die Naturpark-Route im Zickzack über den Höhenzug. Die Orte liegen jeweils in den Tälern und Ebene, nur selten wir Oberhof, Neuhaus oder Lauscha auf dem Höhenzug.

In Ohrdruf machten wir halt am Schloss Ehrenstein, das wie viele andere Museen und Einrichtungen über die Weihnachtstage geschlossen hatte.

Ilmenau Kickelhahn

Am Ortsende von Ilmenau zweigt eine kleine Straße Richtung Kickelhahn ab. Nach rund 2 km ist links vor einer Kurve ein großer Wanderparkplatz. In gut 20 Minuten Fußweg erreicht man das Goethe Häuschen. Hier in der Einsamkeit hat sich Goethe oft zurückgezogen, die berühmten Zeilen "Über allen Gipfeln ist Ruh" (Wandrers Nachtlied) schrieb er mit Bleistift 1780 auf die Holzwände der Hütte.

Nach ein paar Schritten ist man auf dem Gipfel Kickelhahn (861 m hoch) mit Aussichtsturm und Gasthaus. Von hier bietet sich ein schöner Blick in die Täler des Thüringer Waldes.

Rennsteig Bahnhof

Ein beliebtes Fotomotiv ist der alte Rennsteigbahnhof dem auch ich nicht wiederstehen konnte.

Mit etwas Glück (oder Planung) erwischt man zusätzlich die historische Dampflock - an diesem Abend machte nur die moderne Regionalbahn halt.

Stellplatz in Themar

Unsere letzte Station an diesem Tag war der Stellplatz in Themar.
Ein schöner Platz direkt an der Altstadt, auch hier waren wir wieder alleine. Der Ver- und Entsorgung war witterungsbedingt geschlossen, Stromsäulen sind vorhanden. Für Heute hatten wir genug gesehen, es wurde gekocht und dank vollem Wassertank geduscht.

Der Platz ist (Stand 2018) übrigens kostenlos, die 5 Stellplätze werden aber wohl in der Saison überbelegt.

Schleusingen - Schloss Bertholdsburg

Unser erster Halt war in Schleusingen - dort steht das imposante Schloss Bertholdsburg, die älteste Residenz Thüringens. Die Grafen von Henneberg residierten ursprünglich hier, seit 1934 wird die Anlage als Museum genutzt. Heute beherbergt das Museum eine Naturkundemuseum und Sammlungen zur Burgen- und Regionalgeschichte.

Aktuell (Stand Dez 2018) werden an der Anlage größere Baumaßnahmen durchgeführt.

Der Rennsteig bei Masserberg

Die Naturpark-Route Thüringer Wald steigt von den Tälern in Schleusingen wieder zum Höhenzug auf. Auf den letzten Höhenmetern hatte es in der Nacht geschneit. Wir halten am Rennsteigparkplatz und genießen die weißen Flocken.

Oberweißbacher Bergbahn

Über Neustadt am Rennsteig geht es zunächst wieder etwas abwärts in die Täler. Nach einer großen Schleife bei Blechhammer führt die Straße wieder Richtung Rennsteig. Die Oberweißbacher Bergbahn war unser Ziel.

Die Bergbahn ist die steilste Standseilbahn zum Transport von normalen Eisenbahn Anhängern. Ursprünglich wurde die Bahn gebaut, um Lichtenhain und die oberer Bergstrecke zu versorgen. Die Spurbreite ist breiter als die einer normalen Bahnstrecke, auf einem speziellem konnten so ganze Bahnanhänger nach oben befördert werden. Heute ist das Teilstück vor allem eine touristische Attraktion.

Zur unserer Überraschung fuhr die Bahn am Heiligabend noch bis 16 Uhr. Auf der gemütlichen Bergfahrt waren wir die einzigen Gäste in der Bahn. Die super freundliche Bahnmitarbeiterin erzählte uns auf der 20 Minuten langen Strecke die Geschichte und alles Wissenswerte um dieses Kuriosum.

Während alles grün, war die Bergstation eingeschneit. Zurück wählten wir den Fußweg entlang der Strecke, der stellenweise recht steil aber gut zu gehen ist. Man braucht keine Stunde und ist wieder am Ausgangspunkt zurück.

 

Stellplatz Neuhaus am Rennsteig / Lauscha

Unser Ziel war ursprünglich der Stellplatz in Neuhaus der in einschlägigen Apps verzeichnet ist. Die Schilder waren zwar alle zugeschneit, aber irgendwie wollte der Platz sich nicht zeigen. Selbst die Nachfrage bei einer 100 Meter weiter liegenden Tankstelle brachte uns weiter, dort hatte man von einem Wohnmobilstellplatz nichts gehört. Die Koordinaten und Adresse zeigten in eine Einfahrt eines 1 Familienhauses ...

Wir sind dann von Neuhaus knappe 10 km nach Lauscha gefahren. Dort sollte es einen Platz im Ortszentrum und an der Sommerrodelbahn geben. Im Ortszentrum ist das ein gewöhnlicher Parkplatz, dafür sehr ruhig gelegen. Die Sommerrodelbahn ist außerhalb und ein riesiger Schotterparkplatz. Infrastruktur ist bei beiden nicht vorhanden.

Wir entschieden uns für die Ortsmitte. Am Abend fallen noch leichte Schneeflocken - was gibt es schöneres als Heiligabend irgendwo im Schnee zu stehen. Nach einem gemütlichem Essen bei Kerzenschein im Wohnmobil gab es auch Geschenke. Es sei nur soviel verraten, das wir nun auch einen Gas-Klappgrill im Wohnmobil haben ;) Vielleicht dazu an anderer Stelle mehr ...

 

Burgruine Rauenstein

In Rauenstein führt ein schöner Spazierweg zur gleichnamigen Burgruine. Parken kann man im Ortszentrum, dort startet der ca. 20 minütige Fußweg zur ehemaligen Burg. Von der Burg ist nicht mehr allzu viel zu sehen, auf einem Vorsprung steht eine kleine Kapelle die leider geschlossen war. 

Von hier oben hat man einen schönen Blick über das Tal, im Hintergrund die Grümpentalbrücke, die längste Eisenbahnbogenbrücke Deutschlands.

Schauköhlerei Mengersgereuth-Hämmern

Etwas abseits der Route Tal liegt die Schauköhlerei in Mengersgereuth-Hämmern. Mn fährt recht lange durch den kleinen Ort bis man am Ende an einem tief eingeschnitten Tal ankommt. Hier steht, in so einer Art Freilichtmuseum eine Schauköhlerei. Einige Hütten und Objekte zeigen die frühere Köhlerarbeit in Wäldern. Infotafeln erklären das Leben der Menschen und die Herstellung der Holzkohle in Meilern.

In Kombination mit einer Wanderungen in den umliegenden Wäldern ein lohnenswertes Ziel.

Die Route führt weiter über Lauscha, der alten Glasbläserstadt. Wir standen zwar hier letzte Nacht, haben aber nochmal halt am Farbglasmuseum gemacht. Das Museum ist eine Mischung aus Verkauf von Glaskunst und handgefertigten Gebrauchsgegenständen aus Glas und in der ersten Etage ein kleinen Museum, mit Glaswaren.

Es gibt eine "Show-Produktion", man kann Glaskünstlern bei der Arbeit zuschauen, noch heute werden hier Glasrohlinge verkauft.

Wie das Leben vor ein paar Jahrhunderten gewesen sein könnte, ist im Film "Die Glasbläserein" sehr schön nacherzählt (ZDF Produktion 2016, der Film ist zum Beispiel bei Amazon erhältlich). Dort wird die Geschichte der Glas-Weihnachtskugel erzählt, die angeblich in Lauscha erstmalig produziert wurde.

Naturpark-Route Thüringer Wald oder Rennsteig Ende?

Von Lauscha führt die Naturpark-Route weiter richtig Saalfeld um schließlich an den Feengrotten zu Enden. Das Rennsteig Ende ist etwas weiter nördlich in Blankenstein.

Wir haben uns entschieden die Naturpark-Route zu verlassen und hinter Lauscha Richtung Blankenstein abzubiegen. Wir hatten ja noch unseren Glücks-Kieselstein aus Hörschel ....

Blankenstein

Blankenstein ist wenig spektakulär. Am Flussufer ist ein Parkplatz mit dem Rennsteiggarten und Selbitzbrücke. Für den Wanderer liegt zwischen Blankenstein und Hörschel eine Strecke von 170 km auf dem Rennsteig.

Bad Steben

Von Blankenstein sind es nur wenige Kilometer nach Bad Steben. Die Therme dort hat einen riesigen Wohnmobilstellplatz mit kompletter Infrastruktur auch im Winter. Die Therme ist wirklich schön, eine der schönsten Saunalandschaften die wir bisher besucht haben - über den Schwimmbereich können wir wenig sagen. Das Personal überaus freundlich, wer auf dem WoMo Stellplatz übernachtet bekommt automatisch die Gästekarte mit der ein vergünstigter Eintritt möglich ist.

Nach 4 Stunden Saunagenuss und einem leckerem Essen sind wir völlig entspannt in unser Bett gekrochen. Am nächsten Tag mussten wir Richtung Heimat, so ganz konnten wir uns den weihnachtlichen Familienfeiern nicht entziehen.

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