Wohnmobiltour durch Deutschlands Osten

Hainich - Erfurt - Unteres Odertal - Spreewald - Dresden - sächsische Schweiz

Zwischen Hainich und Odertal - unterwegs in Deutschlands Osten

Route: Hainich - Erfurt - Dessau - Schwedt / Unteres Odertal - Spreewald - Dresden
16 Tage, 2.500 Kilometer, Juni 2020

Unser 14 tägiger Urlaub führt uns diesmal zu eher unbekannteren Orten in Deutschlands Osten. Fragt man im Freundeskreis rum, so erntet man doch eher ein fragendes Achselzucken bei Urlaubszielen wie Hainich oder den Nationalpark Unteres Odertal.

Wir haben uns bewusst für diese Route entschieden, es ist Juni 2020, wir haben grade erst eine der größten Pandemien der jüngeren Geschichte hinter uns, und die Mehrheit will Urlaub in Deutschland machen - Ost- und Nordsee werden also genauso überlaufen sein wie die Bergpfade in Bayern.

 

Auf dem Rückweg fahren wir am Baumkronenpfad und Nationalparkzentrum vorbei. Das ganze erinnert mich mit Eis-Ständen, Grillbuden und Souvenirläden mehr an einen Touri-Hotspot und weniger an ein Nationalparkzentrum. Der Wipfelpfad ist nicht wirklich spektakulär, ich bleibe mit dem Hund unten und schaue nur später die Bilder.

Es geht zurück nach Bad Langensalza. Es ist Sonntag Nachmittag, der Platz hat sich deutlich geleert aber aus Gewohnheit fahren wir die gleiche Parkbucht wie letzte Nacht an.  Die Räder sind schnell abgeladen und es geht in die Altstadt. Hier werden wir positiv überrascht. Die Altstadt ist liebevoll restauriert, es gibt viele Läden und Kneipen und das Zentrum ist autofrei. Nach einem leckerem Italiener geht es zurück zum Thermenstellplatz und wir fallen müde in die Betten.

Wildkatzendorf Hütscheroda
Im südlichen Teil des Nationalpark Hanich liegt Hütscheroda, das sich den Beinamen Wildkatzendorf gegeben hat. Im Wildgehegen leben noch 4 Wildkatzen und ein Luchspärchen. Wir haben Glück, die Tiere werden grade bei einer Führung gefüttert und wir erfahren recht interessantes über die scheuen Waldbewohner.  Ohne Führung mit Fütterung ist das kleine Wildgehege recht unspektakulär.

Auf dem 7 Kilometer langen Wanderweg „Wildkatzenpfad“ sehen wir keinen Luchs und auch keine Wildkatze gesehen, dennoch ist die Runde schön zu laufen.Es geht durch alte Wälder und dem ehemaligen Truppenübungsplatz in dem der neue Urwald heranwächst.

Man könnte im Hainich noch gut eine Woche Urlaub verbringen, wir wollen aber weiter. Auf unserer Wohnmobiltour durch Deutschlands Osten fahren wir zu nächsten Station: Erfurt.

 

Am nächsten morgen laufen wir noch einmal durch die Stadt und besichtigen den eindrucksvollen Dom. In den Altstadtgassen herrscht reger Betrieb, irgendwo dazwischen trinken wir einen Kaffee. Es wird wieder heiß in der Stadt und wir wollen aus den engen Gassen raus in die Natur.

Unsere Tour durch Deutschlands Osten führt uns nun ein ganzes Stück nach Norden, das nächste Ziel ist Schwedt im unteren Odertal. Die 400 Kilometer wollen wir aber in zwei Etappen fahren.

Am Nachmittag fahren wir zur Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Buchenwald war mit das größte Konzentrationslager auf deutschem Boden und wurde nach dem Krieg bis 1950 als sowjetisches Speziallager genutzt. Wir besuchen zuerst das Mahnmal mit der Straße der Nationen und dem Glockenturm. Danach laufen wir schweigend durch das ehemalige Konzentrationslager. Die Urlaubsleichtigkeit ist etwas dahin als wir wieder aufbrechen.

Auf der Hälfte der Strecke in das Untere Odertal liegt Dessau-Roßlau. Die Bauhausstadt und das Gartenreich Dessau-Wörlitz sind sicherlich einen eigenen Besuch wert, wir nutzen den Stellplatz in Roßlau heute nur für eine Übernachtung.  Unser Hund freut sich über die riesige Wiese, wir verbringen die laue Sommernacht bis spät am Abend vor dem Wohnmobil.

Wir fahren zurück nach Criewen und laufen über den Auenpfad durch die Oderpolder. Eine gute Stunde führt der Weg vorbei an Altarmen und Tümpeln über das Polder bis zur Oder. Im Winter wird der Bereich komplett überflutet, die letzte große Auenlandschaft Deutschlands. In einer großen Schleife laufen wir zurück zum Kanal und dann wieder nach Criewen. Man kann nicht wirklich sagen das das Odertal zu den Touristischen Hotspots gehört, auf den Wegen durch das Polder sind wir niemandem begegnet, erst am Kanal treffen wir auf ein paar Radfahrer.

Der Freitag ist mit über 30 Grad richtig heiß und wir beschließen auf dem Stellplatz im Schatten zu faulenzen.  Unser Kopf muss eh noch die ganzen Eindrücke der letzten Tage verarbeiten, und da kommt ein Ruhetag grade recht. Erst am späten Nachmittag laden wir die Fahrräder ab und radeln in die Stadt.
Schwedt ist eine alte Industriestadt, es gibt im Umkreis recht große Raffinerien und Papierfabriken. Mit einem Einwohnerschwund von 30% wurden wohl einige Plattenbausiedlungen abgerissen, der Rest wurde renoviert und aufgehübscht. Dennoch ist Schwedt eine ziemliche Tristesse. Es gibt eine kleine Einkaufsstraße die ihr Highlight in einem Einkaufscenter zwischen Hochhäuser findet. Erst am Kanal wird es um das Theater freundlicher. Wir gehen noch einkaufen, im Lidl sind die billig Bohrersets für 6,99 € in mit Schlössern gesicherten Wühltischen - puh.

Den Abend verbringen wir am Grill bei echten Thüringer Würstchen und Kartoffelsalat vom Discounter.

Radtour durch die Auen

Wir fahren am nächsten morgen ein Stück über die B2 Richtung Friedrichsthal im Norden und biegen an einem kleinem Wegweiser zur Teerofenbrücke ab. Zwei Kilometer übelstes Kopfsteinpflaster durch den Wald erwartet und ab dem Abzweig, zum wenden und drehen ist hier keine Möglichkeit. Wie ein Wunder ist am Ende der Straße ein großer Wanderparkplatz direkt an einer Brücke über den Kanal.

Auf den Kaffee an der Picknickbank verzichten wir und laden direkt die Räder ab - hier gibt es Mücken und das in einer Vielzahl das man im Sekundentakt die Einstiche zählen muss. Sobald wir aus dem Wald sind werden die Blutsauger weniger. Die Tour ähnelt dem Auenweg, das Schilf an den Tümpel wiegt sich im Wind der Mittagshitze. Ein kleiner Waschbär läuft uns über den Weg, an der Oder machen wir im Schatten knorriger Bäume Rast. Die Runde ist etwas über 10 Kilometer, mehr wollen wir unserem Hund in der Hitze nicht zumuten.

Zurück am Stellplatz laden wir nocheinmal die Räder ab - Polen hat letzte Nacht seine Grenzen wieder geöffnet. Wir radeln einmal durch das Oderpolder auf die polnische Seite zum Zigaretten kaufen und zurück. Keine 5 Minuten hat mein erster Besuch in Polen gedauert.
 
Am nächsten morgen verlassen wir Schwedt. Wir machen einen Sprung in südliche Richtung in den Spreewald. Am morgen fahren wir noch in Stolpe vorbei, das ist eine Ortschaft etwas südlich von Schwedt an der Oder, aber recht umständlich zu erreichen. Nach einem Spaziergang zum Turm verabschieden wir uns entgültig vom Nationalpark Unteres Odertal und sind bald darauf auf der A11.

Schlepzig ist am Nachmittag deutlich ruhiger. Wir landen bei Kaffee und Kuchen in einer Destillerie direkt an der Spree. Hier lässt es sich wunderbar aushalten und wir beobachten die Paddler in der Schleuse, die wahrscheinlich anstelle Gurken zuviel Bier an Bord haben…
Die kleine Kirche im Dorf mit ihrem hübsch gemalten Wolkenhimmel zeigt sich doch noch durch den Nebeneingang.

Es wird Zeit für uns einen Übernachtungsplatz zu suchen. Irgendwo auf dem Hinweg war ein Abzweig zum Petkampsberg - Gaststätte und Kahnfahrten. Wir biegen von der Landstraße ab und haben nun ein paar Kilometer Waldweg vor uns. Das Navi sagt uns, das da irgendwas kommt, Augen zu und durch.

Am Ende des Weges ist dort tatsächlich ein Parkplatz und Gaststätte. Nach einem leckerem Essen kurz vor Küchenschluss sind wir auch auf dem Parkplatz für die Nacht willkommen - schöner kann man wahrscheinlich im Spreewald nicht stehen.

Lübbenau
Wir wollen etwas von den Spreekanälen sehen und fahren deshalb nicht direkt nach Lübbenau sondern nach Burg / Leipe. Von hier sind es nur 5 km mit dem Rad entlang der Spree bis nach Lübbenau. Hinweisschilder in Leipe weisen zwar darauf hin, das der Radweg wegen sanieren gesperrt ist, aber so richtig daran hält sich hier niemand. Kurz vor Lübbenau kommt dann das böse erwachen, ein riesiger Bauzaun versperrt die Durchfahrt. Wir heben unsere Räder über den Zaun und klettern aussen vorbei.

Lübbenau zeigt sich ähnlich wie Lübben, am Hafen ist ein touristisches buntes Treiben zwischen Gurkenständen und Kahnfahrten. Der Ort selber hat dann aber doch etwas mehr zu bieten. Wir schlendern durch die Altstadt und sitzen im Schatten eines Cafés. Zurück nehmen wir die offizielle Radwegumleitung, anstelle 5 Kilometer sind es nun 14 Kilometer.  Unser Hund kommt an seine Grenzen und wir sind froh als wir Leipe erreichen.

Da die Stellplätze im Spreewald alle hoffnungslos überlaufen sind fahren wir in das rund 20 km entfernte Chemnitz. Am Freibad ist ein großer Wohnmobilstellplatz, hier ist auch nichts los und so verbringen wir den restlichen Abend auf dem Grünstreifen.

Burg und Wotschofska

Am nächsten Morgen fahren wir noch einmal in den Spreewald.  Es geht zunächst nach Burg, aber es ist fast zu heiß um dort Sightseeing zu machen. Wir laufen einmal durch den Ort - Marktplatz, Kahnhafen, Gurkenstände und Eisbuden, alles etwas kleiner als Lübben oder Lübbenau. Etwas ausserhalb steht der Bismarckturm dessen Stufen ich bei angenehmer Kühle in den dicken Gemäuer erklimme.

Wir brauchen eine ganze Weile bis wir die richtige Zufahrt zur Slawenburg finden. Die liegt zwar von Lübbenau aus gesehen auf der anderen Seite der Autobahn, die Zufahrt ist aber über Radusch. Die Slawenburg wird bis Ende 2020 restauriert, wir kommen noch nicht einmal auf das Gelände. Nur von weitem erkennen wir einen hölzernen Ringwall.

In Lübbenau parken wir auf dem großen Reisebusparkplatz. Da Corona bedingt noch keine Reisebusse unterwegs sind, eure der Parkplatz dankenswerter weise für Wohnmobile (inkl. Übernachtung) freigegeben. Das Parkticket kostet 10 Euro und wir beschließen für die Nacht hier zubleiben.  

Von Lübbenau laufen wir zur bekannten Waldgaststätte Woschofska. Der schmale Fußweg führt 3 Kilometer entlang der malerischen Spreekanäle über die typischen Holzbrücken. Es ist später Nachmittag und an der Wotschofska ist es recht leer.

 

Kirnitzschtal
Der Nebel hängt am morgen tief im Tal, es ist deutlich abgekühlt. Wir fahren entlang der Kirnitzsch nach Hinterhermsdorf. Die Straße führt mitten durch den Nationalpark und das kleine Tal ist wirklich schön. Vom Wanderparkplatz in Hinterhermsdorf laufen wir zur oberen Schleuse, dort beginnt die Kahnfahrt durch die Kirnitzschklamm. Die Klamm gehört zu den schönsten Teilen des Nationalparks. Auf rund 600 Meter ist die Kirnitzsch aufgestaut, viel zu schnell ist die Kahnfahrt durch die Klamm vorbei. Die Kirnitzschtal bildet hier auch die älteste europäische Grenze zum heutigen Tschechien.
Von der unteren Schleuse führt der Wanderweg durch den Wald wieder bergauf zum Parkplatz.

Wir laufen in Hinterhermsdorf noch zum Weifbergturm. Der Aussichtsturm ist von weitem schon zu sehen, von oben hat man einen wunderschönen Rundblick über die sächsische und böhmische Schweiz.

 

Felsenlabyrinth bei Langenhennersdorf
Am nächsten Tag geht unsere Wohnmobiltour durch Deutschlands Osten langsam zu Ende. Wir fahren zum Abschluss in das Felsenlabyrinth, danach geht es auf die Autobahn ein Stück Heimwärts.

Langenhennersdorf liegt etwas abseits der Festung Königstein in Richtung Bielatal.  Auf 3 Hektar Fläche liegen dort ausgewaschene Buntsandsteinfelsen in den skurrilsten Formationen. Im Fels-Labyrinth wurde ein Pfad ausgeschildert (einfach den Zahlen folgen). Manche Spalten sind so eng, das ich kaum den großen Rucksack hindurchzwängen kann. Auf jedenfall ein kurzweilige Spaß für Groß und Klein.

Für das Felslabyrinth sollte man ab dem Parkplatz mindesten 2 Stunden einplanen, gerade mit Kindern gibt es da aber soviel zu Endecken das es auch durchaus mal eine Halbtagestour werden kann.

Für uns endet hier unser Wohnmobiltour durch Deutschlands Osten. Wir machen noch einen Zwischenstopp am Stausee in Hohenfelden (südlich von Weimar, durchaus empfehlenswert) und sind nach 16 Tagen wieder Zuhause.

Unser Tour Fazit
Es war die erste Tour für uns auf der wer nicht das EINE große Ziel hatten. Bisher war es das Allgäu, mal der Schwarzwald oder die Küste. Auch wenn wir sonst nie lange auf einem Stellplatz stehen war es diesmal im Vorfeld anders. Die Ziele waren bunt gesteckt auf der Route - Hainich - Unteres Odertal - Spreewald - Dresden. Aber es hat Spaß gemacht. Wir hatten keine Probleme damit uns auf andere Regionen einzustellen. Heute einsame Auenwälder - morgen Gurken Paule im Spreewald - das geht für uns. Klar, wir brauchen noch ein paar Tage bis wir die Eindrücke im Kopf verarbeitet haben, aber das ist eben auch das Schöne an solchen Touren.

Habt viel Spaß da draußen, irgendwo in Deutschlands Landschaften…

 

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